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Der nächste Schritt

Credit: pixabay

Mein älterer Sohn feierte im September seinen 14. Geburtstag. Grundsätzlich nichts Außergewöhnliches, dennoch hier ein paar Gedanken dazu. Jedes Elternteil kann bestätigen, dass ein Kind mit 14 Jahren am Anfang oder schon sehr tief in der Pubertät steckt. Erzieherische Grabenkämpfe werden täglich ausgefochten und die bedingungslose Liebe zum eigenen Kind wird dadurch immer wieder auf den Prüfstand gestellt. Schon vor 14 Jahren haben wir uns als werdende Eltern die Frage gestellt, ob wir es überhaupt verantworten können Kinder in die Welt zu setzen. Das mag vielleicht den ein oder anderen Aufschrei geben, aber Tatsache ist, dass die globale Situation eher schlechter als besser geworden ist. Das Klima hat sich verschlechtert, die Gesundheitslage ist derzeit so angespannt wie noch nie und mit vielen anderen Faktoren ist eine Zukunftsperspektive für junge Menschen nicht wirklich rosig. Und dennoch haben wir uns bewusst für ein Familienglück entschieden. Bei vielen Paaren ist dieses Glück biologisch verwehrt, darum sind wir unendlich dankbar, dass wir nun zu viert auf dieser Welt sind. 14 Jahre durften und dürfen wir nun unseren ältesten Sohn in seinem Leben begleiten und frühestens nach weiteren vier Jahren ist der tägliche Kontakt vermutlich vorbei. Als Eltern macht man ja gerne den Witz, dass das eigene Kind mit 18 im eigenen Haus oder Wohnung nur noch als Gast geduldet wird. Das tägliche Durchfüttern sollte dann aber abgeschlossen sein. Dieser Zeitpunkt ist gerade einmal in vier Jahren. Diese Zeitdauer vergeht erfahrungsgemäß wie im Flug. Aus einem Witz wird plötzlich Realität und damit verbunden auch eine gewisse Angst vor endgültiger Trennung.

Am Ende fragt man sich als Eltern, ob man seinem Kind die eigenen Ziele, Werte und Erfahrungen weitergeben konnte? Hat man womöglich dieselben Fehler gemacht wie die der eigenen Eltern? Sind das Fehler gewesen oder haben es die eigenen Eltern einfach nicht besser gewusst? Man wird ja nicht als Doktor der praktischen Erziehungswissenschaft geboren. Vielleicht auch gut so. In vielen Situationen und Entscheidungen erkennt man dann doch seine eigenen Eltern wieder. Aber das sind dann zum einen die Gene und zum anderen eben die Werte, die man mitbekommen hat. Die Kinder sind also nichts anderes als das Spiegelbild der eigenen Erziehung. Natürlich wünschen sich alle Eltern, dass die Kinder ihre individuellen Stärken und Eigenheiten ausleben, um nicht ein Abziehbild der elterlichen Persönlichkeit zu sein. Oft gelingt dies aber nur bedingt, denn der unbewusste Wunsch eines besseren Klons seines eigenen Ichs wird oft in den Vordergrund gestellt.

Es geht darum, dass die eigenen Kinder glücklich sind, sich die eigene Zukunft durch Dummheiten in der Jugendzeit nicht verbauen und mit einem gewissen Wertegerüst ihr eigenes Leben meistern. Es geht auch darum, dass man als Eltern stolz auf seine Kinder ist. Diesen Stolz sollte man so oft wie möglich auch noch während der Zeit, in der die Kinder noch im Haus sind, zeigen. Danach zu sagen, was man alles falsch gemacht hat und was hätte besser laufen können, hilft den Kindern nicht. Daher darf man sich auch als Elternteil ruhig einmal eingestehen, dass man stolz auf sich selbst ist. Stolz auf etwas, was als selbstverständlich und die natürlichste Sache der Welt gilt: die Erziehung seiner eigenen Kinder. Diese Selbstverständlichkeit wird immer dann zum Problem, wenn Kinder aus dem sogenannten erzieherischen System fallen, Fehler machen oder eben so ganz anders sind als die Eltern selbst. Dann kommen Selbstzweifel auf, die mitunter völlig unberechtigt sind. Niemand wird als Elternteil geboren, aber jeder von uns erlebt die Zeit als Kind von Eltern. Der nächste Schritt ist selbstbestimmt und die Erfahrungen kommen von alleine.

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