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Der Weg in die Zukunft

 

Vor ein paar Jahren gab es einen Radiowerbespot, in dem ein hörbar älterer Mann über seine Zukunft sinnierte. Auf die Frage an seinen Vater, was er denn machen sollte, sagte dieser: „Junge, du bist jetzt 45! Du kannst machen, was du willst!“ 

 

Diese Aussage kann man auf zwei Weisen interpretieren. Zum einen hat der Vater es wahrscheinlich satt, dass sein Sohnemann mit 45 Jahren immer noch keinen Job hat und zum anderen, dass das „Hotel-Mama“ oder eben das Elternhaus nicht auf ewig der Hauptwohnsitz der Kinder sein sollte. 

 

Die Ausbildungsmöglichkeiten in Österreich sind so vielfältig, dass ein junger Mensch das ausüben kann, worin auch seine Stärken liegen. Sehr oft benötigen unsere Kinder aber einen gewissen Leitfaden, denn das Angebot ist mittlerweile so groß, dass vor allem den Kindern und Jugendlichen der Überblick fehlt. So sind Berufsorientierungstage oder Schnuppertage an den Schulen für sie ein gutes Hilfsmittel, den zukünftigen beruflichen Weg herauszufinden. Hierbei spielt die Weisheit „Der Weg ist das Ziel“ oder „Das Ziel ist der Weg“ (beides inhaltlich richtig) eine wesentliche Rolle. Dabei geht es um die Einstellung und die Bereitschaft für ein lebenslanges Lernen. Offen sein für andere Optionen. Offen sein für seine eigenen Stärken, die sich mitunter im Laufe des Lebens auch ändern können. Das wiederum bedingt aber, dass jeder seine Stärken erkennt oder von ihnen weiß. Dafür bedarf es aber der Unterstützung von all den Seiten, bei denen sich junge Menschen bis zu ihrer „Selbstständigkeit“ aufhalten. Das ist das Elternhaus, die Schule, aber auch der Verein. Überall wo Kinder und Jugendliche ihre Leistung und ihre Leidenschaft zeigen, sollten auch Empfehlungen gemäß deren Stärken erfolgen und idealerweise auch gefördert werden. Da sollten nicht die Berufswünsche der Eltern im Vordergrund stehen. Wenn die Eltern einen ehrenwerten Beruf ausüben, müssen die Kinder ja nicht automatisch in deren Fußstapfen treten. Außer die Leidenschaft und Stärken dafür sind eben vorhanden. Dann spricht ja nichts dagegen. Idealerweise kommen Empfehlungen auch vonseiten der Schule oder aus den Vereinen. Dies funktioniert derzeit ganz gut, könnte aber durchaus verbessert werden.

 

Denn zurzeit ist es nicht ganz einfach, sich als junger Mensch zu orientieren. So sind viele Möglichkeiten, wie „Tag der offenen Tür“, Schnuppertage, Auslandsaufenthalte oder berufspraktische Tage entweder nur virtuell oder teilweise gar nicht möglich. Und wer behauptet, dass die jetzige junge Generation nicht unter der Pandemie leide, lügt sich selbst an. Somit fällt ein Teil des Leitfadens weg. Wenn dann Plan B oder gar C als Weg des geringsten Widerstandes genommen wird, dann kann mitunter die eigentliche Leidenschaft oder Stärke jedes einzelnen nicht zur Gänze genutzt werden. Das könnte dann natürlich langfristig dazu führen, dass wir in einigen Jahren eine Welle an Jobwechslern auf dem Arbeitsmarkt vorfinden und zeitgleich auch viele Studienabbrüche haben werden. Dann wird der Weg zum Hotel-Mama wieder genommen, weil die eigenen finanziellen Mittel nicht mehr reichen und die beruflichen Perspektiven eher mager ausfallen.

 

Das heißt im Umkehrschluss, dass wir jetzt noch mehr als sonst unseren Kindern beratend ihren Weg in die Zukunft aufzeigen sollten. Und wer sich jetzt beim Lesen ertappt und sich eingestehen muss, dass diese Förderung der eigenen Stärken bei einem selbst auch schon vor der Pandemiezeit nicht stattgefunden hat, dem sei gesagt: Es ist nie zu spät, sich selbst mit Leidenschaft und den eigenen Stärken zu verwirklichen. Auch dafür ist das Weiterbildungsangebot in Vorarlberg und Österreich enorm breit gefächert. Es erfordert dazu eine große Portion an Mut und realistischer Selbsteinschätzung. Auch das kann ein weiterer Weg in die Zukunft sein.

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