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Eine Meinung haben

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Ach, war das früher alles viel einfacher! Aber was heißt schon früher? Welche Zeit ist gemeint? Mitunter sehr viele Zeitabschnitte, in denen Meinungen vieler ganz einfach kategorisiert werden konnten. Gläubige und Ungläubige, Linke und Rechte, Ökonomen und Ökologen und so weiter und so fort. Diese Liste könnte man noch beliebig fortführen. Wie sieht es aber in der jetzigen Pandemiezeit aus? Gibt es diese klaren Gruppierungen und dadurch verbundene Trennungen?

Was genau heißt es, sich eine Meinung zu bilden und inwieweit ist das überhaupt noch erlaubt? Wir bewegen uns immer mehr auf einem sehr gefährlichen Terrain und die Pandemie ist hier nicht die Ursache, sondern der Auslöser beziehungsweise der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Was meine ich damit? Schon immer wurden Menschen aufgrund ihrer Meinung kategorisiert und in Schubladen gesteckt. Das steckt in uns Menschen wie das Bedürfnis, jeden Tag Nahrung aufzunehmen. Warum? Weil es einfacher ist, jemanden in ein Schema zu quetschen und dadurch seine eigene Position und Meinung zu festigen. Das „Aufeinanderzubewegen“ finden wir historisch gesehen immer wieder, aber gerade jetzt ist dieser Konsens verschwindend klein und kann auch langfristig sehr gefährlich werden.

 

Ein Beispiel soll dies verdeutlichen: Wenn sich jemand kritisch mit dem Thema Impfen auseinandersetzt, wird dieser meist gleich in die Ecke der Corona-Leugner, Verschwörungstheoretiker gestellt oder sogar einer fahrlässigen Handlung bezichtigt. Dabei ist ja gerade jetzt die Unsicherheit gegenüber allen Vakzinen nur zu verständlich. Bei einem Impfstoff heißt es erst nur für die Bevölkerungsgruppen bis 65 Jahren, dann wieder nur ab 65 Jahren, dann wird dieser Impfstoff in manchen Ländern komplett verboten. Ein anderer wiederum wird eingekauft, aber gleich einmal gestoppt. Medial wird nur ein Impfstoff komplett verrissen, obwohl andere Impfstoffe genau dieselben Nebenwirkungen zeigen, aber nicht erwähnt werden. Zugegeben, das Vertrauen in alle COVID-Impfstoffe ist derzeit nicht sonderlich groß. Und jetzt kommt der Punkt: Wehe, man sagt was dagegen. Darf man nicht mehr kritisch denken? Ist es verboten, seine eigene Meinung zu bilden und diese auch zu äußern? Sich einer Thematik aus einem anderen Blickwinkel zu nähern heißt ja noch lange nicht, dass man alles negiert oder verteufelt. Genauso sollten wir aber auch so offen sein, andere Meinungen zu akzeptieren. Gewiss gibt es für alles Grenzen. Radikales Gedankengut und Meinungen sind bei einer Grenzüberschreitung gesetzlich klar geregelt. Aber bis zu dieser Grenze leben wir in einer freien Demokratie. Es zählt die Meinung jedes Einzelnen, also aller. Das ist eine der wichtigsten Säulen in unserem gesellschaftlichen Zusammenleben.

 

Wenn wir innerhalb unseres gemeinschaftlichen Zusammenlebens jetzt aber anfangen, Menschen nur aufgrund ihrer Meinung zu verurteilen, dann haben wir aus unserer Vergangenheit nichts gelernt.

 

Die Pandemie zeigt, wie schnell wir kategorisieren, wie schnell wir urteilen, ohne uns Meinungen anzuhören und andere in ihrem Dasein und Denken zu dulden. Wir müssen ja nicht gleich alles akzeptieren, aber wir können uns Gedanken darüber machen. Wir können darüber nachdenken. Wir bilden aufgrund dieser Grundlage unsere eigene Meinung. Meinungsbildung wird derzeit politisch gleichgesetzt mit Meinungsmache. Davor möchte ich eindrücklich warnen!

 

Am Ende können Sie, liebe Leser, meine Meinung bewerten und für richtig oder für falsch einstufen. Sie können aber genauso gut meine Meinung dulden oder akzeptieren und mit mir in einen Diskurs treten. Das ist sicherlich schwieriger, als mich in eine Ecke zu stellen und sich dadurch in seiner eigenen Meinung bestärkt zu fühlen.

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