Direkt zum Hauptbereich

Der Stoff, aus dem das Lernen besteht

pixabay

„Klar ist, wenn es die Zahlen zulassen, dann gilt der Präsenzunterricht für alle Schüler ab Mitte Mai. Klar ist, dass wir kurz vor den Sommerferien noch einmal allen Kindern einen geregelten Unterricht anbieten wollen. Unklar ist, was wir im Herbst machen.“ So oder so ähnlich könnte eine Aussage zu den bevorstehenden Plänen bezüglich der Schulöffnung für alle Kinder, lauten. Bildungsminister Heinz Faßmann hat es aber auch nicht einfach.

Mit dem geplanten Regelunterricht und der Präsenzzeit an den Schulen ab dem 17. Mai haben die Schulen dann bis zu den Sommerferien genauso lange offen, wie sie danach wieder zu sind. Ok, stimmt nicht ganz. Acht Wochen Schule und dann wieder neun Wochen Sommerferien. Von den acht Wochen gibt es noch zwei Feiertage und wenn die Schüler Glück haben noch einen zusätzlichen Fenstertag als schulautonomen Tag. Schularbeiten sind alle geschrieben, Notenvergabe ist weitgehend abgeschlossen. Was soll man jetzt in den acht Wochen jeden Tag mit den Schülern machen? Spazieren gehen? Laut im Pausenhof singen, denn das ist ja nur im Freien erlaubt. Filme schauen, kleinere Projekte planen? Acht Wochen können echt lang sein.

Jetzt wäre die Chance, ohne jeglichen Notendruck Schulstoff zu vertiefen, und mit anderen Vermittlungskonzepten auch für individuelle Lerngruppen den vielleicht nicht vermittelten Stoff aufzuholen.

Ich weiß, der Aufschrei wird jetzt von vielen Seiten groß sein, denn manche können mit Stolz behaupten, dass sie den Lehrplan voll und ganz eingehalten haben. Die Frage darf aber gerechterweise gestellt werden: Wenn in einem Schichtunterricht, bei dem die Schüler zwei Tage die Woche in den Schulen sind und der gesamte Lehrplan eingehalten wurde, dann frage ich mich auf Kosten von wem oder was? Wem wären in diesem Fall die Kinder und Jugendlichen. Was wäre der Inhalt und die Vermittlung.

Bildungsexperten, Lehrergewerkschaften und Elternverbände sind sich einig, dass nur ein Präsenzunterricht das vermitteln kann, was von der Bildungsdirektion anhand des Lehrplans gefordert wird. Denn in einer besonderen Zeit mit besonderen Maßnahmen wurde der Lehrplan weder adaptiert noch geändert. Bei den Maturajahrgängen schon! Aber was heißt das nun konkret? Landesweit gibt es - bis auf die Volksschulen und Maturaklassen - unterschiedliche Bildungsniveaus. Das soll jetzt kein Anprangern sein, sondern soll vielmehr eine Tatsache aufzeigen, mit der man konstruktiv umgehen sollte. Stimmt nicht, würden jetzt wieder einige behaupten. Nun, haben Sie sich schon einmal die Bücher mancher Unterrichtsfächer genauer angeschaut? Darin sind Aufgaben enthalten, die einer Erklärung im Vorfeld und/oder einer direkten Besprechung bei der Bearbeitung der Aufgaben bedürfen. Diese Unterrichtsbücher sind nicht für ein Distance-Learning ausgelegt. Für das Bildungsministerium wäre das doch eine schöne Hausaufgabe über die Sommerferien. Anpassungen vornehmen, Lehrer überhaupt oder besser auf hybride Unterrichtsformen schulen und die Lehrpläne samt Unterrichtsmaterialien auf Herz und Nieren zu prüfen und zu hinterfragen.


Sonst hätte ich für die kommenden Sommerferien noch eine gewinnbringende Geschäftsidee: Nachhilfe. Ja, ist nicht sonderlich innovativ und neu. Aber die bestehenden Nachhilfe-Institute werden sich vor Anfragen wohl kaum retten können.

Abgesehen von der psychischen Belastung, die die Pandemie unseren Kindern abringt, wird der Bildungsunterschied uns womöglich noch länger Beschäftigen, als uns lieb ist. Da hilft auch ein Einimpfen des Lernstoffes nicht wirklich.

 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Zeit für ein Dankeschön

Zugegeben, ich bin kein großer Fan von Bild oder bild.de. Aber schon alleine aus beruflichen Gründen schaut man sich zumindest die Schlagzeilen an. Letzte Woche war auf der Titelseite des Onlineportals ein Dank an alle Kinder und Jugendlichen, die diese Pandemie durchstehen. Zuerst dachte ich mir, dass dies wieder typisch Bild ist, denn der Zusatz „Wir bedanken uns, weil ihr liebe Regierung (hier ist die deutsche Regierung gemeint) es nicht tut!“ schon sehr polemisch wirkt.   Die Grundaussage, einmal Danke zu sagen, finde ich hingegen absolut richtig. Wir schreiten mit der Durchimpfung und jetzt auch für Jugendliche immer mehr in einen stabileren Alltag. Zumindest sind die schweren Krankheitsverläufe prozentual zurückgegangen und die berühmten Inzidenzwerte sinken oder bleiben zumindest stabil. Das bedeutet auch, dass die Zahl der Intensivpatienten, die an COVID-19 erkrankt sind, deutlich zurückgegangen ist. Die Richtung des langen Weges zu einem normalen Miteinander scheint also...

Wasser ist zum Waschen da...

Schneemengen im Winter 2020/21 ohne Ende. Immer noch zahlreiche Schneefelder auf den Bergen. Schnell kommt man bei diesen beiden Beobachtungen zu dem Schluss, dass gerade wir hier in Vorarlberg genügend Wasser haben müssten. Die Betonung liegt auf dem Wort müssten. So haben wir derzeit einen außergewöhnlich heißen Juni und die Niederschläge im Frühjahr lagen unter dem Mittelwert bis normal im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen Jahre. Die Grundwasserpegel sind zwar wieder etwas gestiegen, aber noch lange nicht auf einem beruhigenden Normalstand. Hinzu kommt der Wasserverbrauch in den Haushalten. Dieser ist zwar nicht sonderlich angestiegen, selbst nicht durch die ganzen privaten Freibadanbieter in deren Gärten, aber die Bevölkerungsanzahl ist größer geworden und somit auch der Durst nach Wasser. Nach 2018 hat das Land Vorarlberg Konsequenzen gezogen, nachdem einige Gemeinden durch die enorme Hitze und Dürre von Trinkwasserquellen abgeschnitten waren. So wur...

Die tapfere neue Welt

Vor mehr als einem Jahr wurde uns das beflügelte Wort der „neuen Normalität“ untergejubelt. Die meisten von uns konnten und können sich recht wenig darunter vorstellen. Seit Mitte dieser Woche wagen wir einen großen Schritt in diese vermeintlich „neue Normalität“. Einen gewissen Vorgeschmack hatten wir ja vergangenen Sommer mit großzügigen Öffnungsschritten und noch großzügigeren Warnungen vor einer nächsten Infektionswelle. Doch nun stehen wir mit einem anderen Set-up vor der nächsten Öffnungswelle. Wir haben Impfstoffe und wir können uns impfen lassen - auf freiwilliger Basis. Diese Grundlage war vergangenen Sommer noch eine „Was-wäre-wenn-Rechnung“.    Was aber ist nun wirklich diese „neue Normalität“ und was haben wir aus dieser weltweiten Pandemie gelernt? Mit Verlaub, die Pandemie ist nach wie vor da, nur haben es manche Länder und Staaten mit einer guten Gesundheitsinfrastruktur und viel Geld besser in der Hand als manch andere - sogenannte Schwellen- oder Drittweltl...