Direkt zum Hauptbereich

Pyramidenspiel Generationenvertrag

pixabay

Wer sich in Vorarlberg etwas mit den aktuellen Immobilienpreisen auseinandersetzt, dem bleibt oft nur ein müdes Lächeln übrig. Die Preise sind so hoch wie nie, die Inflation so hoch wie lange nicht und was am Ende des Monats in Herrn und Frau Vorarlberger Geldbörserl bleibt, ist oft gähnende Leere. Und dennoch steckt es in den Genen vieler Gsiberger und Restösterreicher ein Eigenheim zu besitzen. Es ist eben eine gewisse Altersvorsorge. Die Banken sind so großzügig wie nie und haben die Kreditlaufzeiten in den letzten 20 Jahren einfach um lockere 10-15 Jahre erhöht. Soll bedeuten, dass Laufzeiten von bis zu 35 Jahren überhaupt kein Problem darstellen, selbst wenn man sich entschließt, in einem etwas gesetzteren Alter zu investieren. „Völlig egal – haben Sie Kinder? Ja. Na, dann wunderbar – vereinbaren wir doch einen Generationenvertrag. Sollte ich nicht dazu auch meine Kinder fragen? Schließlich erben Sie zwar die Immobilie, aber eben auch die restlichen Schulden. Machen Sie sich darüber keine Gedanken. Und sind wir ehrlich: Nach Ihrem Tod können Sie das eh nicht mehr.“ Des Teufels Advokat steckt eben im Detail. Es werden immer mehr Schulden gemacht und das auf dem Rücken der nächsten Generationen. Wehe es platzen irgendwann einmal die nächsten Immobilienblasen, die es laut Experten aber gar nicht mehr gibt, da alles „superduper“ von den Behörden abgesichert ist.

 

Was im Bankensektor mit einem Generationenvertrag der ganz normale Alltag ist, finden wir in anderen Bereichen ebenso – nur offen versteckt. Ähnlich wie in einem Pyramidenspiel und mit ähnlich fatalen Folgen. Drei Bereiche als Beispiel: Klima, Bildung und Gesundheit. Der Klimawandel ist nicht mehr zu verleugnen und wer dies nach wie vor ignoriert, dem ist auch in einer 80-Grad-Sauna noch zu kalt. Wir können also so tun, als wäre nichts passiert. Wir können auch anderen Ländern weiterhin die Schuld zuweisen, aber wenn wir jetzt nichts gegen diesen viel zu schnellen und von uns mitverantwortlichen Klimawandel tun, dann werden zukünftige Generationen einen Planeten erben, der nur noch in bestimmten Teilen bewohnbar sein wird. Und bei aller Liebe – dann sind Rhesi-Projekte nur noch ein Tropfen auf den viel zu heißen Stein. Soll heißen: Hochwasserschutzprojekte sind zwar gut, lösen aber nicht die Ursache des Problems.

 

Wer die Probleme im Bildungsbereich während der Lockdownphasen mitbekommen hat (auch da gibt es ja bekanntlich Ignoranten), der weiß, dass auch im Bildungssystem der Wurm schon wesentlich länger bohrt. Schnelle Ad-hoc-Digitialisierungsaktionen wie sie jetzt angedacht sind, werden uns nicht das gewünschte Niveau bringen. Wir stecken nun einmal in einem Bildungssystem, das seit der Agrarzeit immer nur mosaikartig ergänzt wurde. Das Erbe von neun Wochen Sommerferien oder der rasanten Entwicklung der Digitalisierung gegenüber der Lehrer- und Lernausbildung zeigt die große Kluft zu einem effektiven Bildungssystem. Auch schon vor der Pandemie. Um überhaupt wettbewerbsfähig zu bleiben und nicht in die sogenannte Bildungsarmut zu rutschen, bedarf es eben mehr als nur die Ausstattung mit Laptops.

 

Und was die Gesundheit anbelangt, sei derzeit nur so viel gesagt: Dieser Generationenvertrag geht weit über die Impfbereitschaft und den Willen dazu hinaus. Am Ende geht es nämlich darum, dass alle drei genannten Bereiche eng miteinander verbunden sind. Wenn es unseren zukünftigen Generationen gesundheitlich gut geht, dann haben wir schon viel erreicht. Die Tendenz von physischen und psychischen Krankheiten zeichnet leider einen anderen Weg. 

 

Solche Generationenverträge möchte ich nicht unterschreiben und habe jetzt schon Angst für die Zukunft meiner Enkel. Falls ich das noch erleben darf.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die tapfere neue Welt

Vor mehr als einem Jahr wurde uns das beflügelte Wort der „neuen Normalität“ untergejubelt. Die meisten von uns konnten und können sich recht wenig darunter vorstellen. Seit Mitte dieser Woche wagen wir einen großen Schritt in diese vermeintlich „neue Normalität“. Einen gewissen Vorgeschmack hatten wir ja vergangenen Sommer mit großzügigen Öffnungsschritten und noch großzügigeren Warnungen vor einer nächsten Infektionswelle. Doch nun stehen wir mit einem anderen Set-up vor der nächsten Öffnungswelle. Wir haben Impfstoffe und wir können uns impfen lassen - auf freiwilliger Basis. Diese Grundlage war vergangenen Sommer noch eine „Was-wäre-wenn-Rechnung“.    Was aber ist nun wirklich diese „neue Normalität“ und was haben wir aus dieser weltweiten Pandemie gelernt? Mit Verlaub, die Pandemie ist nach wie vor da, nur haben es manche Länder und Staaten mit einer guten Gesundheitsinfrastruktur und viel Geld besser in der Hand als manch andere - sogenannte Schwellen- oder Drittweltl...

Neid ist ein schlechter Freiheitskämpfer

Die Urlaubszeit steht an. Kurz noch im Internet die preisgünstigsten Angebote eingeholt und mit einem Klick ist der Familienurlaub gebucht. Vor dem Bezahlmodus wird man noch aufgefordert, die ID seines grünen Passes einzugeben. Auch die Nummern der restlichen Familienmitglieder müssen eingegeben werden. Das Buchungsportal prüft kurz mit einem Verifizierungsalgorithmus die Echtheit der Passnummer. Ende der Überprüfung. „Vielen Dank für die Buchung und einen erholsamen Urlaub!“, bekommt man als Bestätigung für den bevorstehenden Familienurlaub. Mittlerweile ist der grüne Pass ein ständiger Begleiter in Größe einer EC-Karte. Praktisch, denn sie hat ebenfalls eine kontaktlose Überprüfungsfunktion. Überall, wo der Pass als Kontrolle dient, wird er einfach gescannt und schon hat man Zutritt zu sämtlichen Freizeiteinrichtungen.   Die Durchimpfungsrate ist mittlerweile europaweit bei nahezu 80 Prozent. Zumindest bei denjenigen, die es auch wollen.   Die Ausgangsbeschränkungen und ...

Recht und Pflicht

Nein, das wird keine juristische Abhandlung, aber ein kleiner Ausflug für eine Klarstellung soll mir erlaubt sein: Wenn etwas juristisch rechtlich verankert ist, dann wird es für uns Bürger zur Pflicht, dies zu befolgen. Beispiel Drogenkonsum – egal welche Droge – ist im Straßenverkehr nicht erlaubt. Das wird gesetzlich geahndet.    Komplett anders verhält es sich im alltäglichen Gebrauch der beiden Termini. Was sind aber nun die Rechte und Pflichten, die jeder von uns moralisch und ethisch hat? Wenn ein Politiker - eine Person des öffentlichen Interesses und im öffentlichen Leben stehend - Unrechtes getan hat, wäre es dann nicht seine Pflicht, Konsequenzen daraus zu ziehen? Ja, es ist das Recht des beschuldigten Politikers zu sagen, stimmt alles nicht, ich warte auf ein juristisches Urteil. Aber das kann erfahrungsgemäß dauern und sich ziehen. Somit erwartet die Bevölkerung, dass es seine moralische Pflicht wäre, sich zu entschuldigen und eventuell als Ko...