Direkt zum Hauptbereich

Entschuldigung

pixabay

Nehmen wir einfach einmal an, ich wäre ein Politiker. Sowohl als Vertretung der Opposition als auch als ein führendes Mitglied in der Regierung. Und nehmen wir einmal an, es tritt etwas in Kraft, was eigentlich nie passieren wird. Lesen Sie hier die Entschuldigung der Politik an uns alle:

 

Seit über 20 Monaten hat uns die Pandemie voll im Griff. Anfänglich waren wir alle verunsichert, hatten Angst und wussten nicht wirklich, wie mit der Situation umzugehen ist. Natürlich ist es die Aufgabe der Regierung einem Land Sicherheit, Stärke und einen Weg aus der Pandemie zu zeigen. In vielen Situationen hat die Regierung versagt. Dafür möchte ich mich heute als Vertreter einer gewählten Regierung und Vertreter aller Parteien im Nationalrat aus vollster Überzeugung entschuldigen. Fehler passieren dort, wo Menschen arbeiten, handeln und Entscheidungen treffen müssen. Das trifft zumindest für die ersten Monate der Pandemie zu. Alles was später kam, war falsch oder wurde viel zu spät entschieden. Für Aussagen mancher Parteimitglieder im Parlament gibt es de facto nichts zu entschuldigen. Diejenigen, die Unwahrheiten verbreiten, die sogar lebensgefährlich sein können, müssen juristisch belangt werden. Das hat nichts mehr mit Meinungsfreiheit zu tun. Das ist ein falscher Werteverkauf in Form von Dummheit. 

 

Ich entschuldige mich für eine Aussage im Sommer, dass für alle Geimpften die Pandemie vorbei sei. Dies hat zu viel Sicherheit suggeriert und allen Menschen - ob geimpft oder ungeimpft - das Gefühl vermittelt, dass unser Handeln ohne Konsequenzen für unsere Gesundheit in Zukunft bleiben wird. Ich entschuldige mich, dass wir nicht gelernt haben, die Dinge anders anzupacken. Das Gesundheitssystem noch besser auf starken Fundamenten zu bauen, dass Wellen einer Pandemie für das alltägliche Tun und die Arbeit aller im Gesundheitswesen Tätigen nicht zur unlösbaren Belastung werden. Ich entschuldige mich für das verantwortungslose Handeln, obwohl uns schon zahlreiche Experten Anfang dieses Jahres vor einer möglichen harten vierten Welle warnten. Möglich darum, wenn keine Präventionen getätigt würden. Das ist leider passiert. Entschuldigung an alle älteren Menschen und vulnerablen Gruppen, dass wir viel zu spät und teilwiese gar nicht über eine dritte Impfung informiert haben. Entschuldigung für das Nichtstun über den gesamten Sommer. Wir haben versagt, allen Bürgern und Bürgerinnen in unserem Land die Chance zu geben, ihre Unsicherheit gegenüber einer Impfung abzulegen. Das Versagen hierbei lag in der Nichtaufklärung. Nicht nur von uns als Politiker, sondern von den Wissenschaftlern, Ärzten und Experten. Wir haben zu vielen Menschen ohne wahre Expertise das Sprachrohr geschenkt. Das war falsch. 

 

Entschuldigung an alle Familien, Kinder und Lehrer. Das, was jetzt für diese Gruppe in Kraft getreten ist, war und ist den Fehlern unseres Nichthandelns geschuldet. Darum meine Bitte: Haltet noch einmal durch und liebe Lehrer, setzt eure Taten und euer Handeln sowie Entscheidungen nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft immer zum Wohle der Kinder um und ein. Die Kinder trifft es am härtesten und sie leiden am meisten an der Dummheit der Erwachsenen.

 

Neben der Gesundheit und der Bildung möchte ich mich bei allen Menschen in den anderen Branchen entschuldigen. Das, was wir als Regierung gemacht haben, war fahrlässig, war schlicht und einfach falsch. Ich entschuldige mich an dieser Stelle für ein Versagen auf Bundes- und Landesebene. Keiner war besser oder intelligenter in dieser Pandemie. Die Regierungen und alle Parteien im Parlament und in den Landtagen haben den Auftrag von Ihnen als Wähler nicht ausreichend erfüllt. Mein Beileid an die Hinterbliebenen aller wegen der Pandemie Verstorbenen. Hätten wir nicht versagt, wäre es vielleicht nicht so weit gekommen.


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die tapfere neue Welt

Vor mehr als einem Jahr wurde uns das beflügelte Wort der „neuen Normalität“ untergejubelt. Die meisten von uns konnten und können sich recht wenig darunter vorstellen. Seit Mitte dieser Woche wagen wir einen großen Schritt in diese vermeintlich „neue Normalität“. Einen gewissen Vorgeschmack hatten wir ja vergangenen Sommer mit großzügigen Öffnungsschritten und noch großzügigeren Warnungen vor einer nächsten Infektionswelle. Doch nun stehen wir mit einem anderen Set-up vor der nächsten Öffnungswelle. Wir haben Impfstoffe und wir können uns impfen lassen - auf freiwilliger Basis. Diese Grundlage war vergangenen Sommer noch eine „Was-wäre-wenn-Rechnung“.    Was aber ist nun wirklich diese „neue Normalität“ und was haben wir aus dieser weltweiten Pandemie gelernt? Mit Verlaub, die Pandemie ist nach wie vor da, nur haben es manche Länder und Staaten mit einer guten Gesundheitsinfrastruktur und viel Geld besser in der Hand als manch andere - sogenannte Schwellen- oder Drittweltl...

Neid ist ein schlechter Freiheitskämpfer

Die Urlaubszeit steht an. Kurz noch im Internet die preisgünstigsten Angebote eingeholt und mit einem Klick ist der Familienurlaub gebucht. Vor dem Bezahlmodus wird man noch aufgefordert, die ID seines grünen Passes einzugeben. Auch die Nummern der restlichen Familienmitglieder müssen eingegeben werden. Das Buchungsportal prüft kurz mit einem Verifizierungsalgorithmus die Echtheit der Passnummer. Ende der Überprüfung. „Vielen Dank für die Buchung und einen erholsamen Urlaub!“, bekommt man als Bestätigung für den bevorstehenden Familienurlaub. Mittlerweile ist der grüne Pass ein ständiger Begleiter in Größe einer EC-Karte. Praktisch, denn sie hat ebenfalls eine kontaktlose Überprüfungsfunktion. Überall, wo der Pass als Kontrolle dient, wird er einfach gescannt und schon hat man Zutritt zu sämtlichen Freizeiteinrichtungen.   Die Durchimpfungsrate ist mittlerweile europaweit bei nahezu 80 Prozent. Zumindest bei denjenigen, die es auch wollen.   Die Ausgangsbeschränkungen und ...

Recht und Pflicht

Nein, das wird keine juristische Abhandlung, aber ein kleiner Ausflug für eine Klarstellung soll mir erlaubt sein: Wenn etwas juristisch rechtlich verankert ist, dann wird es für uns Bürger zur Pflicht, dies zu befolgen. Beispiel Drogenkonsum – egal welche Droge – ist im Straßenverkehr nicht erlaubt. Das wird gesetzlich geahndet.    Komplett anders verhält es sich im alltäglichen Gebrauch der beiden Termini. Was sind aber nun die Rechte und Pflichten, die jeder von uns moralisch und ethisch hat? Wenn ein Politiker - eine Person des öffentlichen Interesses und im öffentlichen Leben stehend - Unrechtes getan hat, wäre es dann nicht seine Pflicht, Konsequenzen daraus zu ziehen? Ja, es ist das Recht des beschuldigten Politikers zu sagen, stimmt alles nicht, ich warte auf ein juristisches Urteil. Aber das kann erfahrungsgemäß dauern und sich ziehen. Somit erwartet die Bevölkerung, dass es seine moralische Pflicht wäre, sich zu entschuldigen und eventuell als Ko...