Direkt zum Hauptbereich

Recht und Pflicht

pixabay

Nein, das wird keine juristische Abhandlung, aber ein kleiner Ausflug für eine Klarstellung soll mir erlaubt sein: Wenn etwas juristisch rechtlich verankert ist, dann wird es für uns Bürger zur Pflicht, dies zu befolgen. Beispiel Drogenkonsum – egal welche Droge – ist im Straßenverkehr nicht erlaubt. Das wird gesetzlich geahndet. 

 

Komplett anders verhält es sich im alltäglichen Gebrauch der beiden Termini. Was sind aber nun die Rechte und Pflichten, die jeder von uns moralisch und ethisch hat? Wenn ein Politiker - eine Person des öffentlichen Interesses und im öffentlichen Leben stehend - Unrechtes getan hat, wäre es dann nicht seine Pflicht, Konsequenzen daraus zu ziehen? Ja, es ist das Recht des beschuldigten Politikers zu sagen, stimmt alles nicht, ich warte auf ein juristisches Urteil. Aber das kann erfahrungsgemäß dauern und sich ziehen. Somit erwartet die Bevölkerung, dass es seine moralische Pflicht wäre, sich zu entschuldigen und eventuell als Konsequenz daraus sich aus den verantwortlichen Ämtern zu verabschieden. In einer Pandemie ist es wichtig, dass die Bevölkerung das Gefühl vermittelt bekommt, eine stabile Regierung als Stütze zu haben. Da ist es wiederum erstaunlich, dass Politiker, die eigentlich nichts Falsches gemacht haben, einfach so gehen und ausgetauscht werden, weil Befindlichkeiten, Länderpositionen und diverse Machtverhältnisse wie bei einem Hahnenkampf durchgesetzt werden (müssen). Sie merken also, gerade in der Politik ist die Gratwanderung zwischen Recht und Pflicht nicht immer einfach. Gut, sie wäre von außen betrachtet einfach, aber das ist eben eine verzwickte Geschichte mit der Moralfrage. 

 

Für uns Nicht-Politiker gilt zum Beispiel das Recht auf Meinungsfreiheit und damit verbunden das Recht, eine angemeldete Demonstration abzuhalten. Das macht ein Teil unserer Demokratie aus. Es gibt aber in meinen Augen klare Grenzen. Wenn Corona-Leugner und sogenannte Querdenker auf Demos sich nicht an Verordnungen wie etwa die Maskenpflicht halten, dann verletzen sie damit ihre Pflicht, dieser Verordnung nachzukommen. Das müsste wie bei jeder Verordnung bei jedem Einzelnen geahndet werden. Schließlich passiert das im alltäglichen Leben bei zu schnellem Fahren oder anderen Missachtungen der Straßenverkehrsordnung auch. 

 

Wenn das Recht gegen die Pflicht ausgehebelt wird, entstehen Situationen, die in unserer Gesellschaft noch mehr Aggressionen und Frust erzeugen. Wenn also Menschen gegen die Corona-Maßnahmen vor einem Krankenhaus demonstrieren, dann entzieht sich das völlig meinem Verständnis und zeigt eine klare Verachtung der Mitmenschen. Zu eben solchen Vorfällen kam es in letzter Zeit österreichweit in manchen Städten. Was denken sich solche Menschen? Sie demonstrieren vor Krankenhäusern, in denen hauptsächlich Leugner der Pandemie - erkrankt eben an diesem nicht existenten Virus - auf den Intensivstationen liegen. Das gesamte Krankenhauspersonal arbeitet seit Pandemiebeginn am Limit und muss wichtige Behandlungen verschieben, was später übrigens noch fatale Folgen haben kann. All diesen vernebelten Corona-Leugnern ist es wahrlich nicht zu wünschen, dass sie in den Krankenhäusern landen, vor denen sie kurz davor noch demonstriert haben. Ich wünsche das keinem, aber solche dummen Taten treiben die Spaltung der Gesellschaft nur voran.

 

Darum ist es unser aller Pflicht, all die systemrelevanten Berufe zu entlasten und dies funktioniert nur, indem wir uns alle impfen lassen. Ohne Pflicht, aber mit einer gesunden Portion an Pflichtbewusstsein. Ich möchte mich bei all denjenigen bedanken, die pflichtbewusst unser System täglich am Laufen halten. Es wäre auch ihr gutes Recht, es nicht zu tun.


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Zeit für ein Dankeschön

Zugegeben, ich bin kein großer Fan von Bild oder bild.de. Aber schon alleine aus beruflichen Gründen schaut man sich zumindest die Schlagzeilen an. Letzte Woche war auf der Titelseite des Onlineportals ein Dank an alle Kinder und Jugendlichen, die diese Pandemie durchstehen. Zuerst dachte ich mir, dass dies wieder typisch Bild ist, denn der Zusatz „Wir bedanken uns, weil ihr liebe Regierung (hier ist die deutsche Regierung gemeint) es nicht tut!“ schon sehr polemisch wirkt.   Die Grundaussage, einmal Danke zu sagen, finde ich hingegen absolut richtig. Wir schreiten mit der Durchimpfung und jetzt auch für Jugendliche immer mehr in einen stabileren Alltag. Zumindest sind die schweren Krankheitsverläufe prozentual zurückgegangen und die berühmten Inzidenzwerte sinken oder bleiben zumindest stabil. Das bedeutet auch, dass die Zahl der Intensivpatienten, die an COVID-19 erkrankt sind, deutlich zurückgegangen ist. Die Richtung des langen Weges zu einem normalen Miteinander scheint also...

Wasser ist zum Waschen da...

Schneemengen im Winter 2020/21 ohne Ende. Immer noch zahlreiche Schneefelder auf den Bergen. Schnell kommt man bei diesen beiden Beobachtungen zu dem Schluss, dass gerade wir hier in Vorarlberg genügend Wasser haben müssten. Die Betonung liegt auf dem Wort müssten. So haben wir derzeit einen außergewöhnlich heißen Juni und die Niederschläge im Frühjahr lagen unter dem Mittelwert bis normal im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen Jahre. Die Grundwasserpegel sind zwar wieder etwas gestiegen, aber noch lange nicht auf einem beruhigenden Normalstand. Hinzu kommt der Wasserverbrauch in den Haushalten. Dieser ist zwar nicht sonderlich angestiegen, selbst nicht durch die ganzen privaten Freibadanbieter in deren Gärten, aber die Bevölkerungsanzahl ist größer geworden und somit auch der Durst nach Wasser. Nach 2018 hat das Land Vorarlberg Konsequenzen gezogen, nachdem einige Gemeinden durch die enorme Hitze und Dürre von Trinkwasserquellen abgeschnitten waren. So wur...